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Vertonte Diashow von Michael Martin

Lernen von den Alten

martin_diashow.jpg Audio-Slideshows sind keine komplett neue Erfindung: Neben der Multimedia-CDROM aus den 90er Jahren sind vor allem vertonte Dia-Shows Vorläufer des neuen Reportage-Mediums. Im Bereich des Reiseberichts können Profis wie der Münchner Michael Martin heute noch Säle füllen - und erstaunlicherweise über zwei Stunden die Zuschauer fesseln.

Aus dem Grund habe ich mir vor einiger Zeit die Dia-Show "Wüsten der Erde" angeschaut, bei der Martin live zu seinen Bildern spricht und dabei ein paar Notizen gemacht. Was mir auffiel:

  • Die über zwei Stunden lange Dia-Show wiederholte beständig eine Struktur: Etwa alle 5-10 Minuten wird ein neuer Ort eingeführt, oft mit Informationen. ("Die Sowieso-Wüste ist eine geographische Besonderheit..."). Danach folgen einige Minuten mit Musik und Impressionen, in denen nicht gesprochen wird. Hier kann sich der Zuschauer erholen. Dann leitet Martin von den allgemeinen Informationen zu seinen Erlebnissen in dieser Gegend über ("Die Kultur der Uiguren erlebt man am besten auf dem Wochenmarkt"). Die folgende Mini-Erzählung ist nicht zu komplex, sondern konzentriert sich auf die wesentlichen Elemente, die für den Spannungsaufbau notwendig sind. Sie steuert auf die Auflösung einer spannenden Frage zu (hält der geflickte Reifen?) oder endet mit einer Pointe. Diese Micro-Struktur wiederholt sich ständig, die zwei Stunden bestehen schätzungsweise aus etwa 15-20 solcher Episoden.
  • Michael Martin kann mit seiner Stimme unglaublich gut Spannung vermitteln. An manchen Stellen wirkt er aufgeregt wie ein Fußballreporter und spricht sehr schnell, um die Geschichte rasant zu machen.
  • Das Ich ist präsent: Gefühle und Stimmungen werden vermittelt, der Erzähler gibt Einblick in seine Gedanken.
  • Die Bilder sind oft der Ausgangspunkt für abstrakte Informationen.
  • Die Sprache ist wie in einer Reportage voll von räumlichen und zeitlichen Beschreibungen: Km-Angaben, Liter-Angaben, Angaben zur Tageszeit, farbliche Beschreibungen.

Und was wir Journalisten ganz am Schluss noch von Martin lernen können: Er holt sich sein Geld direkt von den Zuschauern!

Veröffentlicht am 08. Apr. 2009. in [/Journalismus/Theorie] Kommentare: 0


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